DHL ist doof

Vor einigen Tagen sah ich doch auf einem drittklassigen Teleshopsender eine zweistündige Verkaufssendung. Das Thema war: Weihnachtsdekoration selbstgemacht (ganz einfach mit der doppelseitig klebenden dual-haft original Windradklebefolie und Laserglimmerpuder mit echten Laserpartikeln). In mir regte sich ein schlimmer Verdacht und ich blickte auf meine Küchenuhr, tatsächlich, schon Ende August. Höchste Zeit an Weihnachten zu denken. Zu diesem Zwecke gebe ich nun ein kleines Weihnachtsgedicht zu Gehör, welches ich vor zwei Jahren schrieb, wärend ich an meiner traditionellen Weihnachtscurrywurst lutschte:

Weihnachtszeit

Wenn depressive Lehrerinnen
traurig aus dem Fenster springen.

Wenn Mutti von Tabletten taumelt
und Vati sanft am Balken baumelt.

Wenn der Gashahn leise summt
und Oma ab jetzt ganz verstummt.

Wenn Opa sich erst mal besäuft
und mit der Axt dann Amok läuft.

Wenn die Tante sich im Zimmer
die Adern öffnet mit Gewimmer.

Wenn durch die Wohnung Düfte ziehn
nach Kaffee, Kuchen und Benzin.

Wenn der Christbaum lodernd brennt
und Onkelchen auf ewig pennt.

Wenn die Geschwister in den Betten
sich in die letzte Ruhe retten.

Dann weiß man, ja, es ist so weit.
Heissa, jetzt ist Weihnachtszeit.

Die geneigte Leserin wird sich jetzt fragen, was hat das mit DHL zu tun? Nun, da kann ich sie beruhigen, rein gar nichts. Ich finde nur man kann allgemein gültige Aussagen auch mal als Überschrift für einen kleinen Artikel verwenden, ohne Bezug darauf nehmen zu müssen.

Na Sowas!

Da gebe ich doch mal wieder meinen wohlklingenden Namen bei google ein und der erste Eintrag ist dieser Blog, den ich gestern angelegt habe. Jetzt muß ich aber auch ganz schnell was reinschreiben, bzw. kopieren.
Als erstes soll hier mein literarischer Erguß rein, den ich für das Umsonstmagazin Sergej geschrieben habe, um Werbung für „Queens in Space“ zu machen. Eine Stunde hab ich darüber gebrütet und das Ende vom Lied war, dass der Artikel bis zur Unkenntlichkeit gekürzt wurde. Hier also der gesamte Artikel:

Queens in Space – Ein Blick hinter die Kulissen
Von Cathrine Hollingsworth für „Kreuzberg Inside“

Da sitzen sie also vor mir, in ihrem 200 qm Loft mit Blick über den Mehringdamm und essen kalorienarme Cracker nur mit einem Löffelchen Kaviar bestrichen, die sie dann mit einem Schlückchen Champagner runterspülen, die erfolgreichen Macherinnen der Queens in Space Reihe. Bei all ihrem Ruhm sind sie doch ganz normal geblieben und sind sich nicht zu fein mir ein Glas Leitungswasser anzubieten, als ich mir zu bemerken erlaube, ich hätte Durst.
Ich war von den beiden so fasziniert, dass ich fast vergaß meine Fragen zu stellen, zum Glück erlöste mich die aufmerksame KoRa aus meiner Erstarrung, indem sie mir liebevoll einen kristallenen Aschenbecher an den Kopf warf.
„Wie hat denn alles angefangen?“ fragte ich, einen Eisbeutel gegen meine Stirn pressend. „Was viele nicht wissen,“ begann die sportlich attraktive KoRa van Tastisch, „den ersten Teil der Weltraumsaga gab es schon vor fünf Jahren. Wir waren noch jung und unerfahren, gerade mal Anfang Zwanzig. Wir waren damals noch eine Truppe von sechs Darstellerinnen sowie zwei Technikern und wir hatten beschlossen eine Parodie auf eine bekannte Science-Fiction-Serie auf die Bühne zu bringen. Leider haben alle, auch die Techniker, an dem Script mitgeschrieben. Das Ergebnis war eine Ansammlung von schlimmen Liedern und billigen Witzen, mit oft sexuellem Inhalt, ohne erkennbare Handlung.“ „Uns war das schon damals ein wenig peinlich.“ bemerkte die gertenschlanke Margot Schlönzke. „Nachdem sich die ursprüngliche Gruppe getrennt hatte, beschlossen KoRa und ich eine Fortsetzung zu machen. Wir holten die beiden Darstellerinnen des ersten Teils, mit denen wir noch redeten, mit ins Boot und schrieben das Script zu „Queens in Space – Und die Spalte des Grauens“. Diesmal wollten wir auf Nummer Sicher gehen und so blieb das Schreiben größtenteils in KoRas und meiner Hand. Schließlich hatten wir ein Stück mit Handlung und anspruchsvollem Witz auf höchstem Niveau“ „Einige der früheren Darstellerinnen denken immer noch Niveau sei eine Hautcreme.“ Wirft die jugendlich wirkende KoRa ein bevor Margot weitererzählt. „Dieses Stück wurde 2005 ein voller Erfolg. Leider trennten sich Kaey und Stella wieder von uns. Diesmal aber nicht im Streit, sondern weil sie ihre Karrieren auf anderen Gebieten weiterführen wollten. Wir entwickeln uns eben alle weiter.“
„Vor allem um die Hüfte“ scherzt die idealgewichtige KoRa van Tastisch und kneift sich verschmitzt lächelnd in die Seite bevor sie fortfährt „Der Weggang unser lieben Kolleginnen sollte uns aber nicht davon abhalten eine weitere Fortsetzung ins Auge zu fassen. So vollendeten wir das Script zu „Queens in Space – und der Schatten des silbernen Halbmondes“ und suchten dann nach Darstellerinnen, die den Rollen gerecht wurden. Wir fanden sie in Tilly Creutzfeldt-Jakob und Giselle d’Apricot, beide von der bekannten Showgruppe „Die O-Tonpiraten“. Die Proben mit den beiden sind ein nimmerversiegender Quell der Freude und wir sind sicher, dass der neueste Queens in Space Teil der bisher beste wird.“
Meine 15 Minuten Interviewzeit sind fast um und so stelle ich noch kurz die Frage, ob es jetzt schon Pläne für die Zukunft von Queens in Space gibt. Die faltenfreie Margot Schlönzke wirft einen kurzen Blick in ihren prall gefüllten Terminkalender und antwortet „Im Oktober 2007 feiern wir das fünfjährige Bestehen von Queens in Space mit einer großen „Queens in Space Convention“ in Bottrop-Kirchhellen, oder am Mehringdamm 61, das ist noch nicht ganz fest. Dazu laden wir alle aktuellen und ehemaligen Darstellerinnen ein, geben Autogramme und versteigern Originalrequisiten aus allen drei Teilen. Ferner planen wir einen Queens in Space Kinofilm, sowie eine Spin-Off-Serie, deren Inhalt aber noch streng geheim ist.“
Ich bedanke mich für das interessante Gespräch, während die herzensgute Frau van Tastisch mich zur Tür geleitet. Sie besteht darauf mich zu stützen, damit ich nicht hinfalle. Um besseren Halt zu finden, dreht sie mir sogar den Arm auf den Rücken. Tränen der Rührung schießen mir in die Augen, es gibt also doch noch Prominente, die ihre Menschlichkeit nicht verloren haben.